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Erstellungsdatum: 12. Jannuar 2018, 14:41 Uhr


Bearbeiter: Mag. Sylvia Platzer

Emilia-Romagna

 

Auf Entdeckungsreise in unserem liebsten Reiseland Italien

 

Auf die „Stille Zeit folgt die ruhige" - Der Winter hat uns noch fest im Griff. Auch die Kälte.
Da erwacht unweigerlich die Sehnsucht nach dem Süden. Pläne werden geschmiedet für die nächste Urlaubsreise.



Es locken das Meer, die endlosen Sandstrände, und vor allem das italienische Essen, Pizza, Pomodore e Pasta, natürlich mit Parmigiano, frische Fische, fritto misto, süffiger Wein, Cappuchino und was noch alles die italienische Küche an Köstlichkeiten bereit hält. Schon beim Gedanken läuft einem das Wasser im Mund zusammen. „Aquaplaning im Goscherl", wie der Wiener sagt. 

Wir bewundern die Italiener, das Leben leicht zu nehmen, beneiden sie, wegen der antiken Kunstschätze und natürlich wegen der Sonne.

O Sole mio.

Machen Sie mit mir einen Streifzug durch die Emilia-Romagna.

Im Norden grenzt die Region an den Po, im Süd-Westen an den Apennin und im Osten an die Adria und schließt die Zwergrepublik San Marino ein.

Die Region Emilia erhielt ihren Namen von der im zweiten Jahrhundert erbauten Römerstrasse Via Aemilia und umfasst Parma, Piacenza, Modena, Regio Emilia, Ferrara und Bologna. Zur Romagna gehören Ravenna, Forli-Cesena und Rimini. Der Zusammenschluss zur Emilia-Romagna erfolgte vor 70 Jahren, aller Unterschiede zum Trotz.    

Es ist eine Erfolgsstory, denn seit den 50er Jahren boomen hier Wirtschaft und Badetourismus. Unglaublich: Bereits im Jahrhundert davor, 1843 eröffnete das erste Strandbad in Rimini. Automarken mit Kultstatus haben hier ihren Sitz: Ferrari, Lamborghini und Maserati. Viele berühmte Persönlichkeiten sind mit der Region verbunden: Luciano Pavarotti, Alberto Tomba, Enzo Ferrari, Dante Alighieri, der Schöpfer der „Göttlichen Komödie". Die Emilia-Romagna ist Heimat berühmter Filmregisseure und Drehbuchautoren: Federico Fellini, Tonino Guerra, Michelangelo Antonioni, Bernardo Bertolucci, und Kulisse für den Filmklassiker „Don Camillo und Peppone" (Brescello).
 
Die Landschaft ist vielfältig: 140 Kilometer langer feiner Sandstrand gesäumt von Pappelalleen und Pinienhainen, im Hinterland 58.000 Hektar Rebstöcke, sanfte Weiden, dicht bewaldete Felsregionen mit der höchsten Erhebung, dem Monte Cimone (2165 m). Naturschutz wird hier groß geschrieben.

Mein Ausgangspunkt war die Hauptstadt Bologna. Sitz der ältesten europäischen Universität. Und zentraler Flughafen. Ich bin off season unterwegs und auf kultureller und landschaftlicher Entdeckungsreise. Als erste Stadt besuche ich

Modena

Die Stadt ist reich an kulturellen Schätzen: Die romanische Kathedrale zählt gemeinsam mit ihrem Turm Ghirlandina und der angrenzenden Piazza Grande zum UNESCO Weltkulturerbe.

Bevor man in einer italienischen Stadt ein Museum, einen Palazzo oder eine Kirche besichtigt, sollte man auf einen Lebensmittelmarkt gehen. Die Jugendstilmarkthalle Mercato Albinello ist ein echtes Erlebnis. Bunt, vielfältig und frisch die Ware. Hier mischen sich Einheimische und Besucher.

Die Küche der Emilia-Romagna ist üppig und raffiniert zugleich.

 

Mitten durch verlauft die Butter-Olivenöl und die Schweine-Lammfleisch-Grenze. Aus der Emilia-Romagna kommen einige der berühmtesten italienischen Spezialitäten. Das fängt mit dem Parmigiano-Reggiano, dem würzigen, körnigen Hartkäse an. Dann der Parma Schinken. Tagliatelle

 

con ragù, die nur im Ausland alla bolognese bezeichnet werden. Piadina ist ein flacher Teigfladen und ein Markenzeichen der Romagna. Straccetti di manzo: Dünne Fetzen aus Rindfleisch, kurz angebraten und mit Balsamico gewürzt.
 
Auf Besuch in Modenas ältester Essigfabrik


Es dauert Jahre und Jahrzehnte bis Wein in alten Fässern zu einer dickflüssigen, unvergleichlichen Köstlichkeit wird: Aceto Balsamico tradizionale di Modena – Balsam für die Seele. Die Familie Giusti produziert ihn in 17. Generation. Im Jahr 1900 wurde das Erzeugnis auf der Weltausstellung in Paris präsentiert. Aber erst seit 2009 ist das Original mittels EU-Siegel vor Pantscherei geschützt. Wer es einmal genossen hat, wird nicht mehr zum billigen Massenprodukt greifen.

Lambrusco und Sangiovese


Mediterrane Sonnenstrahlen lassen die Trauben reifen. In jüngster Zeit haben mehrere DOC Weine Anerkennung gefunden. Bei einem Besuch des 150 Jahre altehrwürdigen Weingutes Cleto Chiarli habe ich Gelegenheit, den süffig süssen Lambrusco zu verkosten. Seine moussierende herbe Frische nimmt der manchmal recht üppigen emilianischen Küche die Schwere.

Ferrari Museum – Pilgerstätte für Autofans

Niki Lauda fuhr auf Ferrari von Sieg zu Sieg. Am Geburtsort von Enzo Ferrari entstand nun ein Architekturjuwel, wo viele Prototypen dieser superschicken Straßenflitzer optimal präsentiert werden. Ein Video zeigt die  Familien- und Firmengeschichte.

Ravenna


Spektakuläre Mosaiken dokumentieren die Zeitenwende von der Antike zum Mittelalter. Acht Kunstschätze aus dem 5. und 6. Jahrhundert zählen zum Weltkulturerbe. Den Beginn mache ich in der Basilica di Sant'Apollinare die Nuovo, errichtet von Theoderich. Die meisten Mosaike stammen hier aus der Zeit der Byzantiner. Die Basilica San Vitale birgt in ihrem achteckigen Zentralraum eine Fülle von orientalisch anmutenden Mosaiken. Man kommt aus dem Staunen einfach nicht heraus. Etwas ausserhalb die Basilica di Sant'Apollinare in Classe, die im Jahr 549 dem gleichnamigen Bischof geweiht wurde. Hier als Hirte dargestellt, inmitten einer hellgrünen Schafwiese.  

Geschichtsträchtige Namen, wie der Ostgotenkönig Theoderich, die weströmische Kaiserin Galla Placidia, bis hin zum Nationaldichter Dante Alighieri sind mit der Stadt verbunden. Die ehemalige Residenz der weströmischen Kaiser lag ursprünglich direkt an der Adria. Heute ist sie durch Verlandung rund 10 Kilometer von der Küste entfernt. Rund um die Piazza del Popolo pulsiert das Leben.

Tipps für Ausflüge in die Umgebung:

Die Salinen in Cervia
Rund um die Salzseen hat sich eine beachtliche Flamingokolonie nieder gelassen und die weißen Salzberge sind ein tolles Fotomotiv. Im Museo del Sale erfährt man Interessantes über das Süße Salz. Auch ein Abstecher in die Stadt lohnt sich.

Faenza
Im weltweit einzigartigen Keramikmuseum, 1908 gegründet und untergebracht in einem alten Kloster, befindet sich eine umfangreiche Sammlung von wunderbaren Fayencen aller Epochen. Im Centro Storico gibt es sehenswerte Plätze mit monumentalen Bauwerken, sowie einladende Cafeterias zum Ausrasten. 

Rimini
In Rimini, der Urmutter des Badetourismus, bezogen bereits im 19. Jahrhundert Adel und wohlhabendes Bürgertum elegante Sommervillen. Das mondäne Grand Hotel öffnete 1908 seine Pforten und verströmt noch immer den Charme vergangener Zeiten. In den 60iger Jahren folgte der Massentourismus. Die Altstadt von Rimini war zwar noch vom Krieg gezeichnet, aber das Strandleben florierte. Seit damals hat sich viel verändert. Unzählige Hotels, Pensionen, Pizzaläden, Bars, feine Restaurants, Nobelshops und Billigläden sind entstanden - für jeden Gusto und Geschmack etwas. Und der Sommer ist noch immer von Einheimischen und Gästen stark frequentiert. Spitzenzeit ist Ferragosto, also rund um den 15. August, dem Fest Maria Himmelfahrt. Die sollte man eher meiden.

Die Altstadt
Ariminum, 268 v. Chr. gegründet, war eine der reichsten Städte im Römischen Empire. Hier befindet sich die Schnittstelle der Via Flaminia, Via Emilia und Via Popilia. Unter der Herrschaft der Malatesta erblühte die Stadt zu einem Zentrum der Renaissance.

Ich betrete das Centro Storico durch den mächtigen Triumphbogen Arco d'Augusto, und durchwandere die Altstadt bis zur gut erhaltenen Ponte di Tiberio aus dem ersten Jahrhundert.

Der berühmte Regisseur und Filmemacher Federico Fellini hat seinem Geburtsort Rimini das kritische Provinzstadtporträt „Amarcord" (1973) gewidmet. Das legendäre Fulgor Kino, in dem Fellini als Kind auf den Knien seines Vaters sein Herz für den Film entdeckte, wird derzeit auf Hochglanz gebracht. Demnächst wird es als Casa del Cinema und einem Fellini Museum wieder eröffnet. Marco Leonetti, der Leiter der städtischen Filmbibliothek, lässt mich bereits einen Blick hinein werfen. Rot, Gold und Plüsch und viel Nostalgie. Beeindruckend.

Essen und Trinken gehören zu den Freuden des Leben. Ganz besonders in Italien. Zu Mittag erwartet mich La Mi Mama. Food in Tour.    

Wer denkt nicht an das Klischee der italienischen Mama, klein, vollbusig und das Zentrum der häuslichen Familie. Sie sorgte für das seelische und leibliche Wohl und streut mit kräftigem Armschwung, wie der Bauer das Saatgut, den geriebenen Käse über die Schüssel mit dampfender Pasta. Da ordnen sich selbst italienische Machos unter. Klar: Die Gesellschaft ist auch in Italien im Wandel, wie überall auf der Welt.

Pasta ist Volks- und Familiennahrung. 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

In einer entzückenden Osteria erwartet mich eine Bilderbuch-Mama. Schürze umgebunden, ein Papierkäppi aufgesetzt und dann geht es los. Auf dem Tisch steht schon das Holzbrett mit feinstem Mehl, in die Grube kommt ein Ei, danach Kneten und Ausrollen und Kneten und Ausrollen, bis am Ende hauchdünne feinste Tagliatelle entstehen, also mehr oder weniger breite Bandnudeln. Ab in die Küche und in der Wartezeit ein verdienter Schluck Rotwein. Dann kommt die dampfende Schüssel auf den Tisch. Tagliatelle, al dente und mit einer feinen Sauce, dazu Parmigiano Reggiano. Einfach köstlich. Und selbst gemacht schmecken sie noch besser!        
    
Nun möchte ich Sie in das weniger bekannte Hinterland entführen:
Auf Entdeckungstour ins obere Marecchia-Tal


Das romagnolische Neuland liegt inmitten der üppig grünen Wald- und Wiesenlandschaft des Montefeltro und wurde erst anno 2009 von der Region Marken in die Emilia-Romagna eingemeindet. Damit haben sie die Trüffelhochburg Sant’Agata Feltria und mit San Leo und Pennabilli zwei der schönsten Städtchen zurück gewonnen. 

Die Geschichte rund um die Erzrivalen aus dem Geschlecht der Malatesta und Montefeltro begegnet mir hier immer wieder. Mord, Notzucht, Ehebruch, Blutschande, Kirchenraub, Meineid und Verrat. Nichts wurde ausgelassen. Die gute alte Zeit war nicht die Bessere. 

San Leo atmet Geschichte, war vermutlich schon im 6. Jahrhundert Bischofssitz. Dante war hier. Der mittelalterliche Hauptplatz wurde nach ihm benannt. Ich besichtige die zwei grossartigen Kirchen aus dem 9. und 12. Jahrhundert. Dann fahre ich hinauf zu der beeindruckenden Festung.    

Auf einem Felsen thront das Castello mit wuchtigen Rundtürmen und einem grandiosen Rundblick ins Umland. Es birgt neben den herzöglichen Gemächern auch düstere Zellen und Folterkeller. Hier schmachtete unter anderem der berühmt berüchtigte Graf Cagliostro. Der selbsternannte Magier mit zwiespältigem Ruf war für die einen Wunderheiler und Wahrsager, für die anderen ein Giftmischer und Gotteslästerer. Er inspirierte berühmte Dichter, Schriftsteller, Komponisten und Drehbuchautoren und erlangte auf diese Art Unsterblichkeit.

Die Seelenorte von Pennabilli

Tonino Guerra, Lieblingsdrehbuchautor von Federico Fellini, Poet, Maler und Bildhauer lebte hier in seinen letzten Lebensjahren und schuf Seelenorte zum Verweilen und Meditieren. Im Museum wird die ideenreiche Welt des Tonino Guerra weiter lebendig gehalten. Die Tibetischen Glocken erinnern an den Besuch von Dalai Lama im Jahr 1994.
 
Buon viaggio! Gute Reise!


Weitere Informationen:


www.comune.rimini.it
www.micfaenca.org
www.foodintour.com
www.giusti.it
www.chiarli.it
www.toninoguerra.org
www.atlantide.net/amaparco/centro-visite-salina-cervia/
https://musei.ferrari.com/en



Fotos: Sylvia Platzer






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